Steinerne Bögen und ein Turm einer Burganlage vor bewachsenem Garten und blauem Himmel

Song des Tages: „Wild Dogs of Kentucky“ von Dr. Elmo and the Wild Blue (mehr dazu unten)

Die letzten beiden Tage saßen wir ziemlich viel in unserem Jeep: Von Stepanzminda kurz vor der russischen Grenze fuhren wir über die Alte Georgische Heerstraße zurück nach Süden. Knapp an Tiflis vorbei, bogen wir nach Südosten ab und landeten pünktlich zum Gewitter in der Festungsstadt Achalziche.

Dort wurde HerrBert von so vielen herzergreifend süßen wilden Hunden umringt, dass er praktisch sein ganzes Abendessen an sie verfütterte. Als er anschließend das Dröhnchen einmal kurz über die Burganlage fliegen ließ, und die süßen Hunde nicht nur mit großem Interesse die Aktion verfolgten, sondern sich besonders zwei kleine Welpen beim Drohnenlenken entschlossen an ihn schmiegten, war es um ihn – und auch um die Reiserin – fast geschehen. Schon fast ernsthaft überlegten wir, wie es möglich sein könnte, den anhänglichsten der Welpen, den wir „Plüschbär“ getauft hatten, auf legalem Weg zu adoptieren.

Dann setzte zum Glück die Vernunft wieder ein, und uns wurde klar, dass der wohlgenährte und lebensfrohe Plüschbär nirgendwo ein besseres Leben haben kann, als in seinem angestammten, freundlichen, geimpften und allseits wohlgelittenen Burghofrudel in Achalziche, wo er nach Herzenslust herumtollen und sich in jeder Hinsicht frei bewegen kann – ganz zu schweigen von den vielen Menschen, die ihr Essen mit ihm teilen.

Mit einer Träne im Knopfloch nahmen wir also Abschied, und fuhren gestern Morgen dann weiter die letzte Etappe unserer Georgienreise: einmal quer durch den Kleinen Kaukasus bis an die Schwarzmeerküste in Batumi.

Zurück auf der Georgischen Heerstraße

Der erste Fahrtag führte uns nochmal den Weg zurück, über den wir einige Tage zuvor gekommen waren: vorbei an der seltsamen Mönchsstatue, dem türkisenen Stausee, der legendären Schwefelwasserquelle. Wir nutzten die Rückfahrt, um ein paar Sehenswürdigkeiten zu sehen, die uns auf der Hinfahrt entgangen waren, zum Beispiel das kuriose „Denkmal für die 300 Aragvianer“.

Betonmonument mit stählernen Verstrebungen auf einer Wiese vor bewaldeten Bergen unter blauem Himmel
Kein Strommast, ein Denkmal

Es steht kurz vor der Staumauer des Schinvali-Stausees, und wir hielten es erst für einen sowjetisch-brutalistischen Strommast. Es erinnert aber an die 300 Kämpfer aus dem Aragvi-Tal, die im 18. Jahrhundert bis zum letzten Mann ihr Leben gaben, um die Stadt Tiflis vor dem Einfall der Perser zu schützen.

Husch nach Achalziche

Ansonsten gaben wir aber ziemlich Gummi, denn wir wollten nicht zu spät in Achalziche ankommen. Dort hatten wir nämlich ein Zimmer in einem Hotel gebucht, das angeblich direkt im mittelalterlichen Burghof liegen, und außerdem über ein Sprudelbad verfügen sollte. Mit Sprudelbädern kriegt man uns ja bekanntlich immer.

Steinerner Turm mit zwei kunstvoll verzierten hölzernen Erkern und einem runden Wehrturm im Hintergrund
Gleich kommt das Gewitter: Hotel im Burghof von Achalziche

Und wir hatten uns nicht vertan: Das Hotel war wirklich in die riesige, ursprünglich aus dem 9. Jahrhundert stammende und vor wenigen Jahren wunderschön restaurierte Burganlage integriert, und es gab darin eine topmoderne Wellnessoase, die wir ganz für uns allein hatten. Außer uns waren fast nur Asiaten angereist, die offenbar kein Interesse an diversen Saunen, ausgebufften Kneip-Becken und Jacuzzi hatten.

Erfrischt und neu belebt nutzten wir danach eine Regenpause um quer über den Burghof zu eilen und uns im dortigen Restaurant den Bauch vollzuschlagend. Wir hatten nämlich den ganzen Tag über noch nicht gegessen und waren äußerst hungrig.

Hundeliebe im Burghof

Da der kräftige Regenguss scheinbar alle Besucher vertrieben hatte, saßen wir allein im Wintergarten. Jedenfalls so lange, bis unsere der Speisekarte nach „traditionelle Nudelplatte“ aufgetischt wurde: Keine halbe Minute später schlichen zunächst drei wilde Hunde um uns herum. Wie alle Straßenhunde, die wir bisher in Georgien getroffen haben, trugen sie einen gelben Knopf im Ohr, der signalisierte, dass sie geimpft und kastriert sind, und verhielten sich zurückhaltend und diskret. Sie nahmen lediglich schwanzwedelnd und hoffnungsfroh blickend um uns herum Platz.

Kleine gusseiserne Pfanne mit Nudelgericht, garniert mit Nüssen und frischem grünen Kraut, auf rundem Holzbrett
Für einmal war das Georgische Essen ein Flop: verkochte Nudenl mit Irgendwas

HerrBert entschloss nach wenigen Bissen, dass ihn diese Spezialität nicht überzeugt – „verkochte Nudeln mit klumpigen Käse“, befand er über die erste Version,„verkochte Nudeln mit komischen Kräutern“ über die zweite. Weil ihn der größte der Hunde, ein stattliches weißes Tier mit zwei unterschiedlich gefärbten, strahlenden Husky-Augen, durch besondere Zurückhaltung überzeugte, reichte er ihm eine Kostprobe. Der Huskyäugige nahm sie geradezu elegant und ohne Hast, was HerrBert noch mehr für ihn einnahm.

Zwei junge Hunde sitzen auf einem Steinboden neben einem Stuhl und einer Person mit blauer Jeans
Nicht drängeln, es kriegen alle was…

Auf Gerechtigkeit bedacht, verteilte er nun größere Teile unseres Essens an die drei Hunde. „Nicht drängeln, es kriegen alle etwas ab“, ermahnte er, wenn die Hunde doch etwas nachdrücklich wurden. Doch zwei neu dazugekommene Rudelmitglieder kümmerte das gar nicht: zwei karamellfarbenen Welpen mit riesigen Tatzen und plüschigen Ohren. Der eine kletterte sofort an HerrBerts Hosenbein hoch, um schneller zu seinen Nudeln zu kommen, der andere stupste ihn mit seiner Schnauze immer wieder auffordernd an, und die Reiserin war bezaubert zu sehen, wie glücklich HerrBert inmitten der Hunde strahlte.

Hunde und Drohne

Als wir fertig waren und auch die Hunde wieder lostollten, hatte der Regen aufgehört. Schon seit der Ankunft freute sich HerrBert darauf, die Drohne über die weitläufige Burganlage fliegen zu lassen. Jetzt war der Moment gekommen. Wir stiegen viele Steinstufen hoch, um in den wunderschön restaurierten Burggarten zu gelangen – und staunten nicht schlecht, als kurze Zeit später ein Hund nach dem anderen beiläufig neben uns auftauchte und alle interessiert zusahen, wie HerrBert die Drohne startklar machte.

Gerade war sie losgeflogen und er verfolgte auf dem Display konzentriert ihren Weg und die Bilder, die sie schickte, da spürte er etwas unter seinem Arm: Plüschbär hatte sich neben ihn auf das Steinmäuerchen gesetzt und stupste ihn mit der Schnauze an. Dort blieb er die nächsten Minuten auch, und HerrBert war hin- und hergerissen, wo er seine Aufmerksamkeit hinlenken sollte: zu dem übersüßen Welpen, der sich an ihn schmiegte, oder zu den spektakulären Bildern, die das Dröhnchen in Echtzeit lieferte.

Luftaufnahme mit Drohne über historische Festung Achalziche in Georgien
Der Burghof von Achalziche, wie die Drohne ihn sah

Als dann auch noch der zweite Welpe auf der anderen Seite von ihm Platz nahm, war das Glück fast zu groß. Auch die Reiserin war verzaubert und fragte sich, ob es vielleicht an der Zeit wäre, über ein Leben mit Hund nachzudenken, wie es einige unserer Freunde in Berlin schon glücklich führen.

Ausgestreckte Hand, auf der Drohne landet, davor Wiese mit gebüsch mit zwei Junden, die Drohne betrachten
Nicht die Drohne fressen!

Dann kam die Drohne sirrend zurück und es zeigte sich, dass diese sich nur bedingt mit Hunden verträgt. Alarmiert sahen alle gemeinsam nach dem sich nähernden Vogel und es schien nur eine Frage der Zeit, bis einer von ihnen aufspringen und das handgroße Teil aus der Luft jagen würden. So sprang stattdessen HerrBert vorsichtig auf und streckte die ausgestreckte Hand zum Himmel, auf das die Drohne ihr Kunststück zeigen und auf der Hand landen würde, bevor einer der Hunde sie erwischte.

Die letzte Etappe: auf nach Batumi!

Am nächsten Morgen sahen wir zum Glück nur den Huskyäugigen auf dem Burghof herumtollen und konnten den leichten Abschiedsschmerz ignorieren. Das Hundethema war noch einmal verschoben, und der letzte lange Fahrtag dieser Reise konnte beginnen: bis auf mehr als 2000 Meter über Meer über den Goderzi-Pass des Kleinen Kaukasus, um am Abend dann an der Schwarzmeerküste anzukommen. Dort liegt Batumi, die letzte Station unserer Reise und auch das „Las Vegas Georgiens“ genannt.

Dramatische Wolken bei Sonnenuntergang über glattem Meeresspiegel
Wolken über dem Schwarzen Meer in Batumi

Über die Fahrt berichten wir morgen. Jetzt nur soviel: Gerade als die Reiserin lobend bemerkte, dass von den vielen Abschnitten der Passage als Schotterstraße, von denen wir gelesen haben, ja offenbar nichts mehr übrig sei, fing der Wagen an zu rumpeln wie verrückt und HerrBert schaltete in den Offroad-Modus. Zum Glück noch, bevor wir in dem Staub der unzähligen Lastwagen und Bagger verschwanden, die im Schritttempo vor uns unterwegs waren und gefährlich wackelten.

Doch wir sind schließlich gut angekommen, und die uns zuerst leicht dubios erscheinenden Eincheckmodalitäten in unser spontan gebuchtes Apartment haben sich als seriös und landesüblich erwiesen. Dabei inbegriffen das Filmen der Bargeldübergabe an den Abgesandten des Vermieters als Beweis und Quittung. Auch dazu mehr morgen.

Jetzt erstmal Sonntagsgrüße aus Batumi: vom 25. Stockwerk des bizarr eierförmigen Apartmenthauses, das nochmal etwa 15 Etagen mehr hat, und einen Blick über die Stadt bietet, der HerrBert freudestrahlen und die Hundesehnsucht erstmal vergessen ließ.

Der Song des Tages ist heute eine Coverversion des Westernklassikers „Wild Dogs of Kentucky“ von Elmo Shropshire alias Dr. Elmo and the Wild Blue. Es vereint HerrBerts gar nicht mehr so geheime Sehnsucht nach einem Hund, die durch die Begegnung in Achalziche neu geweckt wurde, und unsere gemeinsame Sehnsucht nach unserem Lieblingsreiseland USA, das man hoffentlich in weniger als einem Hundejahr endlich wieder besuchen kann.

Kleine rosa Blumen, die aus einer Felswand wachsen, dahinter Tannen und blauer Himmel
Im Kleinen Kaukasus wachsen Blumen auf dem Stein

Was bisher geschah: hier.