Ach, war das schön! Drei Tage genossen wir die Insel Ummanz, ganz im Osten vor der Insel Rügen, als deren „kleine Schwester“ sie auch bezeichnet wird. Erreichbar nur über eine kleine Brücke.



Song des Tages: „Everything changed“ von Lindsay Lou & the Flatbellys
In diesem etwas von den Hotspots entfernten Teil von Rügen gibt es weder Bäderarchitektur noch Kreideküste, dafür aber wogende Weizen- und strahlende Rapsfelder, hohe Bäume, befreiende Weite, knisterndes Grün und der Himmel spiegelt sich im klaren Wasser des Bodden, an dessen Horizont Hiddensee zu erahnen ist.
Was es hier kaum gibt: Touristen. Als wir jeweils gegen Mittag am Holztisch im Garten saßen und frühstückten, radelten hin und wieder mal ein paar Menschen vorbei, sonst war keine Menschenseele unterwegs. Wenn pro Viertelstunde mehr als ein Auto vorbeifuhr, machte jemand zuverlässig den Witz mit „Rush Hour“ oder „Hier ist ja wieder mal die Hölle los“. War es aber natürlich nicht, ganz im Gegenteil. Trotz Pfingstwochenende und strahlendem Wetter waren hier nur Ruhe, Frieden und reetgedeckte Fischerhäuser, von denen eins auch unsere kleine, fünfköpfige Reisegruppe beherbergte.

So störte sich auch niemand, als HerrBert und seine Drohne im Garten die nächsten Übungsstunden absolvierten. Um die hohen Bäume steuerte er sie vorsichtshalber mit ordentlich Sicherheitsabstand. Sie sollte sich nicht wieder an den Ästen verbeißen, sondern auch aus 40 Metern Höhe heil und zuverlässig wiederkommen, um ihr schönstes Kunststück aufzuführen: eine Punktlandung HerrBerts ausgestreckter Hand.



Der Bodden war nur eine kleine Radtour vom Haus entfernt und natürlich kam die Drohne mit. Vor allem am Westufer der Insel brauste der Wind ordentlich, so dass das das Fluggerät hart im Wind lag und ordentlich die Propellerchen rotieren lassen musste, um überhaupt vom Fleck zu kommen. HerrBert hatte seit dem letzten Ausflug eifrig geübt, und sein neues Spielzeug lieferte diesmal wunderschöne und beeindruckende Bilder von der weiten Landschaft und dem friedlichen Gewässer.
Und es wurde noch besser: Freund Rico, Anlassgeber dieser Reise, hatte nämlich am Sonntag Geburtstag. Zu diesem Anlass bekam er von seiner Frau just auch eine Drohne: Und zwar genau die gleiche wie HerrBert sie hat. So saßen die beiden Kindheitsfreunde einträchtig wie kleine Jungs in der Sonne, ruckelten an der Fernbedienung herum, und versuchten um die Wette, ihre Drohne durch ausufernde Handbewegungen so zu dressieren, dass sie auf Gesten reagiert.

Die Reiserin bestaunte währenddessen die drei Nachbarskatzen, die im Abstand von wenigen Minuten ungerührt über den Rasen trippelten und sich durch nichts und niemanden von der Mäusejagd abhalten ließen. Bevor die Zeit fürs abendliche Grillen kam, warf sie dann noch rasch die Eulen-App an, um ihren Russisch-Score zu verbessern. Die Reise nach Georgien rückt ja immer näher.
Doch auch wenn das Geburtstagskind gestern einen Late Check-Out ausgehandelt hatte und wir ein letztes Mal ausschlafen konnten, mussten wir uns gestern Mittag irgendwann auf den Weg nach Hause machen. Weil die Sonne so schön schien, nahmen wir die Fähre und trödelten dann.


Nicht nur, dass wir zum Zweck des Fischbrötchenverzehrs in Stahlbrode pausierten. Wir ließen uns von HerrBert auch noch zu einer der schönsten Sehenswürdigkeiten Vorpommerns lotsen: zur Wiecker Brücke.

Da war er nämlich vor vielen Jahren schon mal und kannte darum nicht nur die einzigartige, mechanische Holzklappbrücke aus dem Jahr 1887, sondern wusste auch, wie man vorbei an der historischen Siedlung Ladebow ganz dicht zu dem Fischerdorf Wieck kommt, in dessen Mitte die Ryck fließt. Über sie führt die Brücke.


Gerade, als wir ihre altertümliche Konstruktion bestaunten, zog der Brückenwärter ein rot-weißes Absperrband über die gesamte Breite, und begann routiniert an einer Vorrichtung zu kurbeln, durch die die Holzbalken, von dicken Eisenketten mit Kugelgewichten beschwert, sich so verschoben, dass die Brücke in der Mitte aufklappte. Auf dem Fluss hatten sich schon Dutzende Segel- und Motorboote sowie einige Yachten eingefunden, die nun da, wo sonst die niedrige Brücke ist, passieren konnten, bevor die Konstruktion wieder bis zur nächsten Stunde heruntergekurbelt wurde. Natürlich wollten wir da jetzt drüber spazieren und uns am anderen Ufer ein Softeis holen.

Und wenn wir jetzt schon mal hier waren, musste auch noch Greifswald besichtigt werden. Die Reiserin war überhaupt noch nicht hier, die anderen schon sehr lange nicht mehr. So einen schöne Stadt! Der riesige Marktplatz mit den bunt renovierten Häusern lag im strahlenden Sonnenschein, wir streiften ein wenig herum und konnten uns nicht sattsehen. Beim letzten Kaffee dieser kleinen Pfingstreise waren wir uns einig: So ein glücklicher Zufall, dass uns die Unterkunftssuche in diese eher entlegene Ecke zu Rügens kleiner Inselschwester Ummanz verschlagen hatte. Schnell war beschlossen: Wir kommen wieder!



Doch dann half kein Trödeln mehr, jetzt rief Berlin und der Alltag. Der Song des Tages ist heute „Everything Changed“ von Lindsay Lou & the Flatbellys. Während die Reiserin im Norden in der Sonne saß, erreichte sie nämlich die Nachricht, dass ihre kleine Schwester im Süden ihr erstes Kind bekommen hat – nun ist die Reiserin offiziell Tante: Welcome Baby!
Hinweis: Die Fotodrone wurde selbst bezahlt und wir haben keinen Vorteil von der Nennung oder Abbildung des Geräts.
