Braunes Rennrad mit weißen Reifen vor hellgrauer Holztür als Wandbild über einem dunklen Holzbett mit weißen Kissen

Das war rasant! Kaum ist die Reiserin vorgestern spät in Münster angekommen, ins Bett gefallen, um am folgenden Morgen frischemang in ihre Fortbildung zu gehen, ist die Zeit auch schon vorüber und sie hat mit wehenden Schößen und bei 35 Grad Außentemperatur den Zug der Deutschen Bahn erreicht, um morgen in aller Frühe die nächste Etappe ihrer Sommerreiserei in Angriff zu nehmen: die Reise nach Georgien! HerrBert sitzt in Berlin bereits auf gepackten Koffern und redet dem Dröhnchen vor dessen erster Fernreise beruhigend zu.

Und wie war es in Münster?

Schon seit einer Weile schwant der Reiserin, dass ein näheres Kennenlernen der noch immer sehr charmant erscheinenden Stadt eher nicht mit der Fortbildung vereinbar ist. Die intensiven Stunden, die sie in einem auch schon im Münsteraner Tatort in einer Statistenrolle vorgekommenen Backsteingebäude direkt am Hafen zu Lern- und Übungszwecken verbringt, lassen keine Zeit und Energie, danach auch noch der prächtigen Stadt wirklich näher zu kommen. Allenfalls ein paar kurze Abstecher in die dem Bahnhof nahegelegene Innenstadt sind möglich. Glücklicherweise ist Münster so prächtig, dass sich auch auf diesen wenigen Schritten sofort schöne Momentaufnahmen ins Herz prägen.

Wie erwartet zeigen übrigens die Münsteranerinnen und Münsteraner auch im Sommer ihre herausragende Kompetenz im Draußensitzen und Den-lieben-Gott-einen-guten-Mann-sein-lassen. Heute kurz nach 8 Uhr früh, als die Reiserin auf dem Weg zum Backsteingebäude an der in herzzerreißend frischem Morgenlicht daliegenden Hafenpromenade entlangging, sah sie aus der Ferne ein halbes Dutzend geschmeidige Menschen sitzen und etwas tun, was sie angesichts der Uhrzeit erstmal falsch einordnete. „Wie schön“, dachte sie noch. „Samstagsfrühstück mit Freunden am Hafen“.

Beim Näherkommen stellte sie dann aber fest, dass es sich eher um den Überhang des Vorabends gehandelt haben dürfte: Innig kreisten die Weißweinflaschen und das Morgenlicht erhellte müde, aber immer noch jugendlich glatte Gesichter. Sofort war die Erinnerung und auch ein winziges Bisschen Wehmut da: Die Nacht durchmachen und am Morgen gemeinsam den Sommermorgen begrüßen ist etwas von den Dingen, die das Leben strahlen lassen. Leider auch etwas von dem, was man, zumindest im Fall der Reiserin, irgendwann einfach zu tun vergisst. Sofort wurde es hinter die Ohren geschrieben: Wieder mal eine Sommernacht durchmachen.

Weitere Beobachtungen: Die Gänse und Schwäne im Münsteraner Hafen sind in der Wesensart eng mit den Fahrradfaherenden der Stadt verwandt: Wenn immer ihnen etwas Lebendiges entgegenkommt, preschen sie mit furchtlosem Karacho darauf zu, und zwar gerne in Formation oder wenigstens in einer sehr, sehr langen Schlange. Wer bei diesem Hasenrennen niemals aus- oder auch nur ein paar Millimeter zur Seite weicht: die Enten, die Gänse – und ganz bestimmt nicht die Leezen.

Und damit ist jetzt der jüngste Münster-Quickie auch schon Vergangenheit. In weit weniger als 24 Stunden sind wir schon in Georgien. Der nächste Gruß dann aus Kutaisi mit unserem Live-Tagebuch. Bis dahin: schönen Abend und stay tuned!