Eckgebäude mit Wandmalereien und Schriftzug 'MAMA AFRICA' über dem Eingang und an der Ecke

(Update aus Deutschland: Jetzt mit Song des Tages und mehr Fotos)

Ein letzter Gruß nochmal aus Kapstadt. In ein paar Stunden geht unser Flug zurück nach Deutschland. HerrBert ist nochmal losgezogen, ein bisschen am Strand chillen. Die Reiserin genießt inzwischen die letzten Stunden im Zimmer des Flughafenhotels, das sich rühmt, „das grünste Hotel“ Südafrikas zu sein. Tatsächlich wird der Müll getrennt – was wir in vielen privaten Unterkünften allerdings auch erlebten – es wird auf den sparsamen Umgang mit Wasser hingewiesen und sonst allerhand Nachhaltiges getan. Der Hotelpool vor unserem Fenster zum Beispiel sieht nicht nur wie ein Tümpel aus, sondern wird auch als solcher betrieben: nix mit gechlortem Wasser und sterilen Fliesen, Pflanzen und Wasserorganismen reinigen ihn auf natürlich Weise. So heißt es jedenfalls auf der Hotelwebsite. Schwimmen sahen wir darin bisher niemanden, aber das hat womöglich nichts zu sagen.

Blick aus einem Fenster auf einen Garten mit Rasen, Blumenbeeten, Büschen und einem kleinen Teich, im Hintergrund Bäume und das Terminal des Flughafens Kapstadt
Der nachhaltigste Hotelpool Afrikas – im Flughafenhotel Cape Town

Song des Tages (mehr dazu unten)

Gestern Nachmittag landeten wir nach einem kurzen, auf die Minute pünktlichen Flug aus Port Elizabeth wieder in Cape Town. In der Luft kam HerrBert, eingepfercht auf einem Mittelplatz, ins Gespräch mit seiner Sitznachbarin, einer reizenden älteren Dame namens Joy. Kurz nach dem Start hielt sie ihm freundlich lächelnd ihre Lektüre hin: ein Buch über die Erfahrungen südafrikanischer Kriegsgefangenen der Nazis während des Zweiten Weltkriegs. Dann blätterte sie strahlend eine Seite auf, wo der Name eines Straflagers im heutigen Polen gelb markiert war. „Da war mein Vater interniert“, sagte sie, weiterhin freundlich lächelnd, und zog die Farbkopie eines alten Passfotos von ihm aus ihrem Portemonnaie hervor. „Er kämpfte in Afrika gegen Rommel“, fügte sie hinzu, und sah HerrBert dann prüfend an. „Sie sind kein Nazi, oder?“

Das konnte er guten Herzens verneinen und so unterhielten sie sich den ganzen Flug über munter, während die Reiserin den ihr zugewiesenen Fensterplatz nutzte, um die unten vorbeiziehende Landschaft zu betrachten. Das war doch die Sanddüne, wo wir neulich standen. Gleich hinter dem Buschstreifen an der Küste wird das Land trocken. Warum sind viele der Felder kreisrund? Während sie sinnierte, richtete die nette Dame das Wort jetzt auch an sie. „Ich bin in der Region Little Karoo aufgewachsen“, sagt sie. „Eine sehr trockene Gegend im Weinbaugebiet.“ Die Reiserin fragte, ob sie dann eventuell sagen könne, warum so viele Felder rund statt eckig seien.

Luftaufnahme einer Küstenlandschaft mit landwirtschaftlichen Feldern und kreisförmigen Bewässerungsflächen
Die Felder in der Weinregion Südafrikas sind aus einem logischen Grund kreisrund

Gerade als die Dame zu einer Erklärung ansetzte, mischt sie die junge Frau am Fensterplatz der Reihe vor uns ins Gespräch. „Darf ich das erklären? Das weiß ich nämlich: Die Felder sind rund wegen der Bewässerungswagen. Die sind in der Mitte fixiert und drehen sich dann im Kreis, so können sie am effizientesten die Felder mit Wasser versorgen.“ Die ältere Dame strahlte, „genau!“, und die Reiserin bedankte sich für diese knackige und pragmatische Erklärung. Sie hatte sich nämlich in völlig absurde Thesen verrannt und irgendwelche traditionellen, vielleicht irgendwie mit Stammesland zusammenhängenden Gründe erwogen. Klischees blockieren das Denken.

Cocktails in Cape Town

Cocktailglas mit rotem Getränk, rotem Trinkhalm und kleinem Papierschirm auf Holztisch vor Fenster mit unscharfem Hintergrund, in dem ein Schwarzer Mann mit weißer Kopfbedeckung vorbeigeht
Ein Schirmchendrink an der Longstreet in Cape Town

Am Abend in Cape Town wollten wir dann bummeln und entschieden uns für die Longstreet mit den vielen Restaurants. Der Taxifahrer hatte sofort eine Idee: „Geht zu Mama Africa, da gibt es authentisches Essen. Und sagt, ich habe es empfohlen. Ich setze euch direkt davor ab, dann könnt ihr erst rumlaufen, und dann hier essen.“ Na gut, warum nicht. Es ist noch sehr früher Abend und hell, viel ist noch nicht los. In einer Cocktailbar trinken wir Aperitif und machen dann tatsächlich rüber zu dem Restaurant. Auch wenn der in Felle gewandete, großbewachsene Mann, der uns energisch die Tür aufreißt, sofort den „Touristenfalle!“-Alarm anspringen lässt.

Vor dem Essen Hände waschen

Es wurde dann aber ein sehr netter Abend. Zwar lehnte die Reiserin freundlich ab, sich die offenbar zum Gesamterlebnis gehörende, aus einer weiß gepunkteten Blumengirlande bestehende Gesichtsbemalung applizieren zu lassen, die hier nicht nur die allesamt Schwarzen Kellnerinnen schmückt, sondern die auch den weißen weiblichen Gästen verpasst wird. Umso mehr genossen wir beide aber das ebenfalls dazugehörigen Händewaschritual, bei dem man am Platz über einer Schüssel die Hände mit mit warmem Zitronenwasser reinigt, das einem eine Kellnerin aus einem Krug über die Hände gießt.

Person mit schwarzem T-Shirt und gemusterter Schürze hält eine Karaffe mit Wasser und eine Metallschüssel, während eine andere Person darin die Hände spült
Vor dem Essen schön die Hände waschen

Die Speisekarte ist vielfältig mit Gerichte aus allen Ländern Afrikas. Wir entschieden uns für das Tasting Menu, HerrBert nahm die Fleischvariante mit Lamm, Zebra, Krokodil und den in Südafrika als Leckerbissen geltenden Mopane-Würmer, die eigentlich Raupen eines Falters sind und für ihren hohen Proteingehalt geschätzt werden. Die Reiserin wählte die vegane Version.

Zwei Tabletts mit verschiedenen kleinen Gerichten und Gläsern mit Rot- und Weißwein auf einem Tisch, im Hintergrund eine Person mit Besteck in den Händen
Das Tasting Menu von Mama Africa in Fleisch und Vegan. Die Mopane-Würmer sind die schwarzen Dinger oben links

Während wir aufs Essen warteten und der Hausband zuhörten, die afrikanische und internationale Hits sehr funky im Marimba-Sound – eine Art Xylophon aus Holz – darboten, verteilte ein in ein schwarzes Gewand mit silbernen Pailetten gehüllter Mann mit Dreadlocks kleine Trommeln an die Tische. „Oh nein, Mitmachtheater!“, durchfuhr es die Reiserin, aber HerrBert beruhigte sie. Doch tatsächlich übernahm nach einer Weile der Pailettenmann die Unterhaltung und begann, auf seiner großen Trommel Rhythmen vorzugeben. Zuerst sprang die Vierergruppe aus italienischen Touristen an und antwortete, indem sie den vorgegebenen Rhythmus begeistert nachtrommelte. Immer mehr Gäste machten mit – auch HerrBert – und schon bald erbebte der liebevoll geschmückte Gastraum in rhythmischen Schlägen, die sich am Schluss in allgemeinen Jubel auflösten.

An unserem Nebentisch hatten sich inzwischen zwei Schwarze Afrikaner um die Dreißig niedergelassen. Vielleicht Arbeitskollegen, sie unterhielten sich auf Englisch. Leicht befremdet sahen sie auf die geschminkten Kellnerinnen und die trommelnden weißen Touristen. Skeptisch sahen sie auf die Speisekarte, dann fragte der eine die Kellnerin etwas in einer afrikanischen Sprache, was sie nach kurzem Zögern bejahte.

Während wir uns die inzwischen servierten Tasting Menus zu Gemüte führten – und HerrBert interessiert auf den gerösteten Baumwürmern herumkaute, dann aber das Zebrasteak zu seinem Favoriten erkor – trat die Kellnerin mit der Schüssel für die Händewaschzeremonie zu unserem Nachbartisch. Sehr befremdet und, so kam es uns vor, mit einem leichten Widerwillen ließen die beiden afrikanischen Gäste sich die Hände benetzten. Kurz darauf wurde ihnen ihr Essen serviert, zahlreiche Currys und Sauce und dazu eine große Kugel des polentaähnlichen festen Maisbreis Ugali.

Davon klaubten jetzt kleine Kügelchen ab, um damit in eleganter Handbewegung die anderen Speisen aufzunehmen und in den Mund zu schieben. Traditionell isst man viele afrikanische Gerichte auf diese Weise von Hand, doch die Tische im Mama Africa sind von Anfang an mit Gabel und Messer gedeckt. Wir waren darüber froh, weil wir beim Essen von Hand aufgrund fehlender Übung wohl nur unwürdig herumkleckern könnten. Wie das für Nichttouristen rüberkommt, können wir nicht sagen.

Die beiden Afrikaner am Nebentisch schienen sich inzwischen auf jeden Fall in das Ambiente eingefunden zu haben und unterhielten sich. Aber so richtig begeistert schienen sie nicht. „Na ja“, meinte HerrBert. „Das ist für die wahrscheinlich so, wie wenn du als Deutscher in Griechenland mal Lust auf ein Schnitzel hast und darum in ein deutsches Restaurant gehst, und dann fangen um dich herum plötzlich alle mit Schuhplattler an.“

Bald darauf übernahm wieder die Marimba-Hausband die Show. Wir setzten uns auf einen Absacker an die Bar, wippten begeistert mit und genossen den Schwung und die Energie, mit denen das Team den Laden schmiss.

Cocktailglas mit einem gefrorenen, schneeweißen Getränk und einem Strohhalm vor einer großen, fischförmigen Dekoration auf einer Bar.
Ein Absacker im Mama Africa

Damit ist unser Südafrika-Abenteuer zu Ende. Es gibt manches, über das noch nachzudenken ist, wenn man als weiße Touristen in dem immer noch von der Apartheid stark geprägten Land unterwegs ist. Allem voran die überall präsenten Slums, die man doch schon nach ein paar Tagen ganz automatisch auszublenden beginnt. Darüber wird es hier demnächst nochmal gehen.

Doch jetzt wartet der Flieger.

Blick aus einem Flugzeugfenster auf das nächtliche Kapstadt mit Straßen und Gebäuden sowie dem Flügel des Flugzeugs und dem orangefarbenen Mond
Abendgruß aus Kapstadt

Und wie schmeckten die afrikanischen Tiere? Das Krokodil „ähnlich wie Hühnchen“, findet HerrBert, das Lamm „lecker“, das Zebra „wie gutes Rindfleisch“. Und die schwarz gerösteten Mopane-Raupen? „Irgendwie merkwürdig, seltsamer Eigengeschmack“. Besonders lecker fanden wir beide die traditionelle Tomaten- und Gemüsesauce namens Chakalaka. Aber die werden wir jetzt erstmal nicht mehr kriegen. Bis gleich in Deutschland!

Flugzeuge auf dem Rollfeld des Flughafens Frankfurt am Main bei Sonnenaufgang mit orangefarbenem Himmel
Morgengruß aus Frankfurt

Der Song des Tages ist heute „Im Ghetto von Soweto (Auntie’s House) der Sängerin Joy Denalane. Denalane wurde in Berlin als Tochter einer Deutschen und eines Südafrikaners geboren. In ihrem ersten Album „Mamani“ von 2002, auf dem dieses Stück erstmals veröffentlicht wurde, beschäftigt sie sich intensiv mit dem afrikanischen Teil ihrer Wurzeln und der Geschichte Südafrikas.

(Hinweis: Wir haben alle Übernachtungen und sonstige Kosten selbst bezahlt. Von der Nennung der Hotels und Lokale haben wir keinen Vorteil.)