Landschaft mit Ackerfläche, gewundenem Feldweg und Bergen im Hintergrund unter bewölktem Himmel

Und dann war auch mal gut mit Kapstadt, und wir haben uns auf den Weg gemacht, noch weitere Teile von dem Landstrich zu erkunden, der Westkap heißt und neben der touristisch beliebten „Garden Route“ auch die Kaphalbinsel unterhalb von Cape Town umfasst. Am untersten Zipfel davon liegt ein Ort, dessen Namen in HerrBert schon immer Fernweh und Sehnsucht auslöste, und den er einmal im Leben mit eigenen Augen sehen wollte: das Kap der Guten Hoffnung. Demnächst dazu noch mehr.

Song des Tages (mehr dazu unten)

Nach einer letzten Nacht in Kapstadt sind wir heute dann endgültig in Richtung Osten losgefahren und mit einem Schlenker über Stellenbosch inzwischen in einem Vorort von Hermanus angekommen. Hier wollen wir ein paar Tage nur ausspannen. Die viele Fahrerei – auch, weil man sich in Kapstadt als Touristen kaum anders als mit dem Auto bewegen kann – macht uns langsam müde.

Viele Eindrücke sind zusammengekommen. In den nächsten Tagen werden wir hier in Momentaufnahmen davon erzählen.

Die Goldkette

Am Samstag schlendern wir durch die Innenstadt von Kapstadt, sehen uns die Märkte an, hören den vielen Schulchören zu, die unter Anleitung ihrer engagierten Musiklehrer mit unglaublicher Stimmkraft an Straßenecken singen. Es sind viele Menschen unterwegs, aber es ist nicht besonders stressig. Dazu tragen auch die Händler an den Ständen und das Verkaufspersonal in den Geschäften bei. Man kann in Ruhe alles anschauen, wird nicht angequatscht und auch nicht zu Preisverhandlungen genötigt. Auch diejenigen, die betteln, verhalten sich diskret. Womöglich tragen auch die Männer und Frauen mit den grünen Leuchtwesten zur Entspanntheit bei, die in der Innenstadt überall stehen. Cape Town hat eine Initiative namens Cape Town Central City Improvement Disctrict (CCID) gegründet, um die Innenstadt sicherer und angenehmer zu machen, und die Menschen in den Leuchtwesten sind ihre „Public Safety Officer“.

Große Buchstaben bilden das Wort 'CAPETOWN' auf einem gepflasterten Platz vor einem mehrstöckigen Gebäude mit Palmen im Hintergrund
Cape Town fühlt sich in den touristischen Gebieten fast überall sicher an

Als wir gerade aus einer Fußgängerzone in Richtung einer Durchfahrtsstraße treten und an zwei dieser Männer vorbeikommen, hält einer die Reiserin an. „Ihre Kette, Ma’am“, sagt er. „Nehmen Sie die ab.“ Erschrocken greift die Reiserin an den schlichten Schmuck am Hals. „Es ist kein Gold“, erklärt sie, „nur Messing“. – „Das spielt keine Rolle“, sagt der Sicherheitsmann. „Packen Sie sie in ihre Tasche. Man wird denken es sei Gold, und dann reißt sie ihnen einer von hinten vom Hals.“ Verdattert tut sie es und bleibt verunsichert. Wie es Touristen empfohlen wurde, sind Klamotten und Schmuck unauffällig und ohne großen Wert, das Handy wird diskret gehandhabt und die Handtasche steckt in einer Stofftüte aus dem Supermarkt. Wir hatten nie das Gefühl, tagsüber nicht sicher zu sein. Auch jetzt nicht, nach dieser Aufforderung. Trotzdem bleibt die goldfarbene Messingkette ab jetzt in der Tasche und am Hals bleibt nur der Schmuck aus winzigen Holzperlen von einer anderen Reise.

Weiße unter Weißen

Unseren kleinen Roadtrip nach Port Elizabeth beginnen wir mit einem ersten Stopp in dem Städtchen Stellenbosch, nur eine Stunde nördlich von Cape Town. Hier beginnt die berühmte Weinroute, und auch der Ort soll hübsch sein. Wir verfahren uns und landen zuerst auf dem Universitätscampus. Junge Menschen in sportlicher Kleidung, mit selbstbewusstem Blick und entschlossenem Schritt sind zwischen den verschiedenen Gebäuden unterwegs. Schließlich gelangen wir zu den Schlenderstraßen und setzen uns vor ein Café. Auch hier sehr viele junge Menschen, die Universität prägt den Ort, dazwischen Frauen mit Einkaufstüten und glänzenden Sandalen. Und alle, wirklich alle, die nicht offensichtlich als Verkäufer, Kellnerinnen oder für die Müllentsorgung arbeiten, sind weiß und offensichtlich wohlhabend. Uns fällt ein, dass wir nicht genau wissen, wieviele Menschen in Südafrika überhaupt leben und wie das Zahlenverhältnis zwischen Weißen und Schwarzen ist. 62 Millionen Menschen. Davon sind 80 Prozent Schwarz, 10 Prozent „Mixed Race“ und knapp 9 Prozent Weiß. Stellenbosch sei der einzige Ort auf der Garden Route, wo man auch abends zu Fuß flanieren könne, haben wir von Reisenden gehört, die vor uns hier waren. HerrBert kriegt allmählich schlechte Laune. „Das ist hier eine weiße Plüsch-Enklave“, sagt er. „Woanders hätte man sich vielleicht gefreut, wenn man zufällig auf so eine nette, kleine Stadt stößt. Aber nicht hier, mit dieser Geschichte.“

Die Studierenden, die wir hier sehen, wirken auch alle gestriegelt und geschniegelt. Keine bunten Haare, räudigen Klamotten oder Piercings weit und breit. Niemand der anders aussieht als das most popular girl und der Football-Held. Und kaum Schwarze Studierende zu sehen. Wir gucken nach: rund 30 000 Studierende insgesamt, davon gerade mal ein Viertel Schwarze. „Ungefähr so habe ich mir die Apartheid immer vorgestellt“, schäumt HerrBert. „Da krieg ich Husten“. Die Reiserin stimmt zu. Vielleicht tun wir damit irgend jemandem Unrecht. Aber so war unser Eindruck beim Besuch von Stellenbosch. Irgendwas an diesem Ort ist grundlegend abstoßend. Wir fahren weiter.

Viele Grüße aus Vermont bei Hermanus!

Der Song des Tages heißt „Ngik’thande“ von ShaunMusiq und Thatohatsi (featuring CowBoii), wir haben ihn in einem Geschäft aufgeschnappt. Es ist ein Beispiel für aktuelle südafrikanische Popmusik.