In den letzten beiden Tagen haben wir Kapstadt weiter erkundet. In einer Walking Tour haben wir von einem Local vieles über die Geschichte der Apartheid erfahren und erkannt, dass es immer ein Stück weit unangenehm bleiben muss, als Angehörige einer Bevölkerung, die einst Kolonien in Afrika hatte, zu Gast bei Menschen zu sein, deren Vorfahren in diesen Kolonien versklavt worden waren.
Aber es hilft auch niemandem, die Schönheiten dieser Stadt nicht zu genießen.
Wir haben bei Straßenchören in der Innenstadt Gänsehaut bekommen und ein neues und sehr famoses Quartier direkt am Meer bezogen. Wir ließen uns von der vielfältigen Architektur faszinieren und haben uns in ein verrufenes Viertel begeben, um Street Art sehen, uns dann aber nicht richtig aus dem Auto getraut. Immer sind wir froh, sichere Parkplätze zu finden und haben schon unzählige Gelegenheitsparkwächter mit Geldscheinen versorgt. Davon abgesehen fühlen wir uns hier wohl und sicher. Dazwischen haben wir köstlich gegessen, guten Kaffee und besten Wein getrunken, tolles Design und Kunsthandwerk gesehen. Wir haben den Groove von Cape Town gefunden – der nichts wäre ohnen diesen einen Berg. Darüber hat hier HerrBert einen Text geschrieben.
Song des Tages (mehr dazu unten)
Wie der Tafelberg in unsere Herzen kam
Kapstadt ohne Besuch des Tafelberges – per Seilbahn oder als Wanderung – ist wie ein Besuch in Paris, ohne den Eiffelturm zu sehen. Oder wie ein Urlaub in New York ohne Blick auf die Freiheitsstatue. Aber ich habe selten ein Naturding gesehen, das eine Stadt so prägt wie der Tafelberg Kapstadt. Wenn Du in der City bummelst, ist der Tafelberg immer hinter Dir. Du schaust hier und da, blickst hoch: Peng Tafelberg. Du biegst im Stadtteil Woodstock auf der Suche nach Street Art in eine kleine Nebenstraße: Peng Tafelberg. Du bist im Stadtteil Table View und blickst über die Bucht: Tafelberg. Na gut, der Stadtteil heißt ja auch Table View.
Und dann ist dieser Tafelberg oben so schön säuberlich gerade. Laut Geologen ist er ein „kümmerlicher Restberg“ mit seinen 1086 m Höhe. Der Berg soll einst ein mächtiges Gebirgsmassiv von über 3000 Metern gewesen sein. Warum der Kapstädter Tafelberg dann aber in Jahrmillionen so derart gerade wegerodierte und eiszeitmäßig so schön plan geschliffen worden ist, dafür fand ich nirgends eine plausible Erklärung. Und das Plateau des Tafelberges ist immerhin 3 Kilometer lang. Das musste auch ein Eiszeithobel erstmal hinkriegen.
Weil das aber den Tourismusmanagern unter den Naturgewalten noch nicht genug war, organisierten sie noch die Tischdecke für die Gebirgstafel: das Tischtuch oder „Tablecloth“. Das sind die weißen Wolken, die sich wie eine Tischdecke über das Plateau legen und dann runterquellen. Der als „Cape Doctor“ bekannte Südostwind vom indischen Ozean bringt feuchte Luft, die am Berg aufsteigen muss. Die Luft kühlt ab, genauer gesagt: Sie beginnt entsetzlich zu frieren. Weil aber niemand da ist, der sie wärmt, ihr einen Tee kredenzt oder Mütze, Schal und Handschuhe reicht, muss sie als Wolkenband kondensieren. Da kommt sie nichtsahnend vom indischen Ozean heran und stößt plötzlich an eine Bergwand – „Was ist das, warum steht dieser Fels hier und wo soll man da als feuchtfröhliche Luft jetzt hin? Äh, drängelt mal nicht so von hinten…. Los hoch mit Euch – Uff, jetzt? Sofort? Muss das sein? Schau mal wie hoch wir schon sind. Mir wird schwindelig…. Ich muss gleich kondensieren“. Und Peng Wolkendeckentischtuch.
Ach, der „kümmerliche Restberg“, was er alles so an Spektakel hervorbringt in seinem Dasein. Trotz oder gerade weil die Naturmeister ihn so plan erodieren ließen. Wir entschieden uns mit der Seilbahn hochzufahren. Oben spielten die Wolken ein wildes Spiel und gaben den Blick auf die Stadt am Kap mal frei, mal verhüllten sie den Blick darauf gleich wieder, wie eine Schleiertänzerin. Dies änderte sich fortwährend und man war beglückt, einem so sublimen Naturschauspiel beizuwohnen. Wir schlossen den Berg in unser Herz und er begleitete uns daraufhin bei unseren Erkundungen seiner Stadt auf Schritt und Tritt.



















Der Song des Tages ist heute „Gimme hope Jo`anna“ von Eddy Grant. Einer der bekanntesten Anti-Apartheid-Songs.
