So da sind wir nun. In Kapstadt. Heute um kurz nach 10 Uhr hiesiger Zeit gelandet. Was mal im Gegensatz zu vielen anderen Ankünften bedeutet, dass wir nur eine Stunde Zeitverschiebung habe, welche als quasi nichtvorhanden eingestuft wird von HerrBert.

Song des Tages (mehr dazu unten)
Ein sehr betriebsamer Airport in Cape Town nahm uns in Empfang. Weder pseudofuturistisch modern wie zum Beispiel in den arabischen Staaten noch rumpelig. Gefühlt wie ein bißchen Italien in den 90ern. „Taxi,Taxi“ schallen die Rufe der die Touristen empfangenden Einheimischen. Ein Reiseleiter schleust seine ganze zwanzigköpfige Gruppe aus dem Hessischen zum Geldautomaten, damit sich alle mit Bargeld eindecken können. Bei der Autovermietung läuft alles wie am Schnürchen. Trotz fünf fast gleichzeitig ankommenden Ferienflieger sind wir fünfzehn Minuten später an unserem Auto. Es ist niegelnagelneu, weiß und ohne jeglichen Kratzer. Nur mit dem Lenkrad auf der falschen Seite, wie die Reiserin entsetzt feststellen muss, als sie auf ihrer herkömmlichen Beifahrerinnenseite platznehmenwollend ein Lenkrad vorfindet. HerrBert spielt noch mit dem Gedanken, dass es doch mal schön wäre, im Urlaub nicht fahren zu müssen, da ist die Reiserin aber schon längst auf der anderen Seite des Fahrzeuges und erklärte schelmisch dem Übergabeangestellten, sie könne ja gar nicht Autofahren. Das müssten andere machen.

Als HerrBert am Steuer sitzt, muss er sich mal wieder rasant umgewöhnen. LINKS HALTEN ist das Credo für das Autofahren in Ländern mit Linksverkehr, zu denen auch Südafrika gehört. Eine einsame Kreuzung, eine Ampel, an der man abbiegen muß, und kein anderes Auto weit und breit: LINKS HALTEN. Auf dem Weg zu unserem Quartier geht es auf autobahnähnlichen Schnellstraßen flott dahin und Fehler kann HerrBert dabei kaum machen denn viele andere dahinbrausenden Autos geben die Richtung vor.
Im Quartier angekommen, halten wir einen Schwatz mit der deutschen Vermieterin und ihren vier vierbeinigen zumeist bellenden Freunden. Also nur mit der Vermieterin. Die bellenden Hunde sind nur das Training der Reiserin für den frühabendlichen Strandspaziergang, wie sich später noch herausstellen wird. Wir beschließen, rasch nochmal zum Supermarkt zu fahren, um danach in Ruhe unsere Ankunft zu genießen in der Wärme von 25 Grad, einem Pool und kurzen Hosen.

Nun ist der erste Tag zuende, aber ein richtiges Gefühl für die Stadt haben wir noch nicht bekommen. Hier ist Afrika anders, als wir es kennen. Geordneter, ruhiger, gefühlt nördlicher. Zugegebenermaßen kennen wir von Afrika bisher aber nur Tansania und Ägypten. Vielleicht liegt es daran, dass hier viele europäische Touristen sind, und viele Südafrikaner europäische Wurzeln haben,
Was uns aber gleich in Bann zieht, ist das helle, merkwürdig durchsichtige Licht und der Dunst. Das Wahrzeichen von Kapstadt, der Tafelberg, den wir auf der Fahrt zum Quartier fast immer im Blick hatten, liegt wie hinter einer Milchglasscheibe. Doch das Wetter hier wechselt schnell. Als wir am Abend kurz nach 18 Uhr auf einen kleinen Spaziergang zum Strand aufbrechen, der nur fünf Minuten zu Fuß entfernt ist, strahlt der Himmel wieder klar und der Dunst hat sich bis zu einem kleinen Schleier verzogen. Der Tafelberg steht majestätisch in der Landschaft, davor brandet der Ozean. „Ist das nochmal der indische Ozean oder der Atlantik?“, fragt die Reiserin. Ganz so einfach ist die Frage nicht zu beantworten, denn wir sind am untersten Zipfel des Kontinents, wo beide zusammenströmen. Ein Blick aufs Handy ergibt – es ist der Atlantik.

Glücklich laufen wir in der Brandung, die Reiserin ächzt überrascht, als sie merkt, wie kalt das Wasser ist. Viele Menschen sind unterwegs und noch mehr Hunde. Zwei wild bellende Exemplare umkreisen uns und einer wirft auffordern eine Holzlatte vor unsere Füße, damit wir sie für ihn werfen. Die Reiserin blickt sich zögern nach den Besitzern um, um dann festzustellen, dass es wilde Hunde sind. Jetzt ist ihre Ruhe dahin. „Tue was!“, bittet sie HerrBert. Die Hunde schnüffeln aufdringlich an ihr, und der größere legt immer nachdrücklicher und immer näher den Holzstock vor ihre Füße. „Sorry, I can`t“, sagt sie zu ihm und HerrBert kratzt sich am Kopf.

Wir schlendern weiter, als ob nichts wäre, die Hunde ziehen große Kreise, aber immer wieder kommen sie wild bellend mit ihrem Stock zu uns. Die Reiserin möchte am liebsten irgendwo anrufen, damit die Hunde weggehen, das liest ihr HerrBert an der Stirn ab. Endlich haben zwei Männer in der Ferne Erbarmen, und werfen den für die wilden Hunde den Stock. So lassen wir sie zurück und schlendern im Abendlicht nach Hause. Auch ohne Jetlag sind wir – hundemüde.
Morgen mehr!
Der Song des Tages ist heute „Sugar Man“ von Sixto Rodriguez. Der US-Amerikaner nahm das Stück in den 1970ern auf, worauf es bald in der Obskurität verschwand. Auf Kassette gelangte es allerdings nach Südafrika, wo es zu einem Hit wurde. Rodriguez kritische Texte wurden vom Apartheids-Regime zeitweise verboten. Ein oscargekrönter Film mit dem Titel „Searching for Sugar Man“ erzählt diese ergreifende Geschichte.
