Hand hält ein Glas mit roséfarbenem Getränk vor einem Kanal mit Hausbooten und historischen Giebelhäusern im Hintergrund

Ach, jetzt ist mal wieder alles ganz anders gekommen… HerrBert ist arbeitsmäßig in den Niederlanden, und die Reiserin wollte ihn zu den freien Tagen besuchen, und zwar in Utrecht. Das liegt eine halbe Zugstunde von Amsterdam entfernt, quasi auf dem Weg, und es sah mal so aus, als ob HerrBert dort zu tun hat. Hatte er aber dann doch nicht, sondern in Amsterdam. Der Zug der Reiserin aber war schon gebucht. Also stieg sie kurzerhand in Berlin ein und kam ein paar Stunden später ohne nennenswerte Verspätung auf direktem Weg in Utrecht an. „Ohne nennenswerte Verspätung“ heißt bei der Bahn ja bekanntlich „alles unter 1 Stunde“.

Song des Tages (mehr dazu unten)

Heute stratzte sie, wenn sie schon mal da war, dann durch die frühlingshafte, fast schon übermäßig fotogene Stadt, beobachtete die Utrechterinnen und Utrechter beim Käse- und Poffertjeskaufen auf dem Wochenmarkt, schlenderte an den auch in dieser Stadt üppig vorhandenen Grachten entlang und geriet schließlich eher zufällig durch eine Art Stadttor auf einen lauschigen kleinen Platz, an dem ein Kirchenbau stand.

Von weitem zu sehen: der Turm der Domkerk in Utrecht

Es ist die Domkerk – Domkirche – von Utrecht. Der Bau wirkte für einen frühmittelalterlichen Kirchenbau allerdings merkwürdig eng, verwinkelt und strukturlos. Den Infotafeln entnahm die Reiserin, dass dieser Eindruck nicht täuschte: Der Raum, in dem sie mit anderen Touristen über abgeschliffene Grabplatten schlurfte, war nur der Überrest der Kathedrale, der ehemalige Chor.

Im Innern: irgendwie verwinkelt

Das eigentliche Kirchenschiff war vor ungefähr dreihundertfünfzig Jahren von einem Orkan zerstört und dann nicht mehr aufgebaut worden. Der kleine lauschige Platz vor der Domkirche war früher mal das Kirchenschiff, und das hohe Gebäude über dem vermeintlichen Stadttor der Kirchturm. Also eine Kirche, die im Grunde nicht da ist. Dafür war sie ganz schön bevölkert.

Hier war mal das Kirchenschiff

Das tat der wohltuenden Schönheit von Utrecht aber überhaupt keinen Abbruch. Irgendwie konnte sie sich an dieser Altstadt gar nicht sattsehen.

Danach flugs mit dem Zug nach Amsterdam gefahren und gerade rechtzeitig gekommen, um in dem bezaubernden kleinen, von einer freundlichen portugiesischen Familie geführten Hotel direkt an der Vijzelgracht zur kostenlosen Happy Hour eingeladen zu werden. In Holland sind die Temperaturen fast schon frühlingshaft warm und sonnig. Den vom Haus täglich allen Gästen kostenlos offerierte Aperitif gab es darum auf der kleinen Terrasse direkt an der Gracht. Das Wasser schwappte leise, die kleinen Brücken bogen sich sanft und alles war auf diese ganz leicht herbe Weise schön, wie nur Amsterdam es kann. Happier konnte diese Hour nicht sein. Die Reiserin hob das Glas auf HerrBert, der immer noch arbeiten musste.

So schön kann nur Amsterdam sein

Das wir allerdings bald besser.

Denn sehr bald hat HerrBert ja bekanntlich Geburtstag. Und das bedeutet für ihn seit jeher: nichts wie weg hier! Vor kurzem und zwischen allen Pflichten haben wir einen besonders sonnigen Ort ausbaldowert, wohin uns schon sehr bald die nächste Reise führt. Kleiner Ratetipp: Es geht von Berlin aus geradeaus runter, jedenfalls auf der Weltkarte.

Mehr dazu demnächst. Bis dahin: stay tuned und viele Grüße aus Amsterdam!

Der Song des Tages heißt heute „Groen Amsterdam“ von Sophie Straat. Diese junge Sängerin nutzt ironisch überzogene Schlager- und Chansonmelodien, um politische Themen zu behandeln. In diesem Stück geht es um die Gentrifizierung, die auch in den Niederlanden dazu führt, dass in den Städten bezahlbarer Wohnraum verschwindet und die historisch gewachsenen Strukturen zur Wohlfühldekoration für Besserverdienende wird, und diese die Alteingesessenen verdrängen.