Holztafel mit der Aufschrift 'Cape of Good Hope the most south-western point of the African continent' vor felsiger Küstenlandschaft und Meer. Auf den Felsen unter der Tafel sind zwei Paar Turnschuhe zu sehen. Dieses Bild wurde mit KI bearbeitet: alle Personen, die an der Tafel posieren, wurden entfernt

Ruhig waren die letzten Tage. Gemütlich haben wir in einem famosen, aber irgendwie auch ziemlich abgeschotteten Ferienhaus in der Nähe von Hermanus an der Garden Route ausgeruht und, im Fall von HerrBert, seine Schniefnase kuriert. Zwischendurch sind wir auf einen kleinen Weglein, das als Coastal Walk direkt am Meer zu zwei natürlichen Gezeitenbecken – tidal pools – führt, spaziert, und heute haben wir uns die Ortschaft Hermanus angeguckt, die davon lebt, dass, leider zu anderen Jahreszeiten als jetzt, unzählige Wale vor der Küste planschen. Schön war das Städtchen trotzdem, zu erzählen gibt es davon aber nicht viel. Auf die Townships, die den größten, von Touristen jedoch nicht besuchten Teil des Ortes ausmachen, gehen wir ein anderes Mal ein.

Vier dickliche Pelztiere liegen liegen in der Sonne auf felsigem Untergrund über tiefblauem, leicht bewegtem Meer
Anders als die Wale haben dassies – Klippschliefer – in Hermanus immer Saison

Song des Tages (mehr dazu unten)

Heute geht es darum, wie HerrBert, drei Tage ist es her, mit der Reiserin ans Kap der Guten Hoffnung fuhr.

Die Erkundung der Kaphalbinsel

Wir lesen und wägen ab, wir lesen noch mehr und wägen noch mehr ab. Bei der Kaphalbinsel, direkt unterhalb Cape Town gelegen, gibt es viel abzuwägen. Einen Tipp können wir aber getrost 1:1 weitergeben: Am besten ist die Fahrtrichtung von Ost nach West, in Muizenberg anfangen, damit man am Nachmittag im Westen den Chapman’s Peak Drive im schönsten abendlichen Sonnenlicht zurückfährt. Man kann sich nicht genug satt sehen an dieser Landschaft im Abendlicht.

Der Rest ist Ansichtssache.

Muizenberg ist das Surferparadies mit langem Strand, den vielen Surfern und den pittoresken bunten Umkleidehäuschen, die man von vielen Bildern kennt. Schön, mehr allerdings nicht – nach einem kurzen Fotostopp fuhren wir weiter die Küstenstraße entlang nach Süden.

Reihe bunter Strandhäuser mit Treppen am Sandstrand von Muizenberg in Südafrika unter blauem Himmel
Die berühmten bunten Umziehäuschen am Strand von Muizenberg

Die kleinen Ortschaften – St. James, Kalk Bay, Fish Hoek, Glen Ridge, Simon’s Town – reihen sich wie Perlen auf einem Bahngleis. Ja richtig, ab Muizenberg gibt es eine Bahnstrecke parallel zur Küste und meist direkt neben der Straße verlaufend. Einerseits möchte man da nicht Quartier beziehen, um nicht von dem früh um dreiviertel sechs gehenden Pendlerzug geweckt zu werden. Andererseits sind es kleine, süße Fischerdörfer mit tidal pools, die einen bequem baden lassen ohne Unterströmung-Oberwellengefahr. Eine Zugfahrt von Kapstadt nach Simon’s Town wäre eine schöne Alternative.

Wir kommen aber mit dem Auto an, und der Ort zieht uns in seinen Bann. Wir bummeln durch die Straßen mit Blick auf den Hafen und das Meer. Genießen einen Cappuccino und einen krossen Käsetoast, dann geht’s zu den fünf Minuten entfernten Pinguinen am Boulder Beach.

Strand mit einer großen Gruppe Pinguine zwischen Felsen und Meer
Die Pinguinfamilie am Boulder Beach auf der Kaphalbinsel

Da sind sie nun, die afrikanischen Pinguine, sie sind die Florida Boys and Girls unter den Pinguinen. Man findet Kolonien im Süden Afrikas von Mosambik an der Ostküste bis Angola im Westen. Auch 120 km weiter in Betty’s Bay gibt es eine weitere Kolonie, aber das wird wohl nur die andere Hälfte der zerstrittenen Familie aus Boulder Beach sein… . Jedenfalls ist es hier viel gemütlicher als in der Antarktis, die Pinguine frieren sich in Südafrika nicht während einer monatelangen kalten Dunkelheit ihren Allerwertesten ab, wie ihre hartgesottenen Artgenossen um den Südpol herum.

Pay the Penguin

Am Parkplatz gibt es die bekannten Einweiser, und auch unzählige Souvenierhändler säumen die Straße bis zum Besucherzentrum. Die Pinguine haben sich gedacht, sie vermarkten sich einfach mal selbst, errichten ein Besucherzentrum, nehmen Eintritt, bauen Stege durch ihr Wohngebiet, und abends ist dann Ruhe, vorne wird abgeschlossen und sie können sich ganz ihrem Freizeitvergnügen widmen. In der Arbeitszeit wird dafür lustig daher gewatschelt, für fotografierende Menschen posiert und paarweise Gefiederpflege betrieben. Denn das finden die sie besuchenden Menschen sehr possierlich: wenn ein Pinguin mit dem Schnabel zärtlich durchs Federkleid des anderen fährt und umgekehrt.

„Du hast dir gar nicht die Ohren gewaschen…“ – „Wie bitte…?“

Also ein Besucherzentrum. Bei unserem Eintreffen zur Mittagszeit gibt es eine Warteschlange von circa einer Viertelstunde, und für Nicht-Südafrikaner ein zu entrichtender Eintritt in Höhe von umgerechnet 13 Euro (Stand 2/2026). Bei uns kommt so ein bisschen die Haltung auf: Wenn wir jetzt schon mal hier sind, nehmen wir die Wartezeiten und den Eintritt, von dem wir vorher nichts wussten, halt in Kauf.

Natürlich ist es ein schönes Erlebnis, die Tiere zu sehen und vor allem, sie in Freiheit zu wissen. Man kommt nah ran an die Watschler, die sich nicht stören lassen. Denn dadurch, dass die Menschen auf den Stegen verbleiben, bilden sie keine Gefahr für die flugunfähigen Seevögel. Aber da sind noch die vielen anderen Besucher, die „ah“ und „oh“ ausrufen, die um Fotospots rangeln oder einem blindlings auf den Stegen entgegen poltern. Mit gemischten Gefühlen verlassen wir die Tiere und HerrBert wird wieder von seiner eigenen Gewöhnlichkeit heimgesucht. Hat er sich zu Herzen gehender vorgestellt.

Reif für die Halbinsel

Aber es sollte auf unserer Kaphalbinselreise noch ärger kommen. Von den Pinguinen machten wir uns auf den Weg zum Kap der Guten Hoffnung am untersten Zipfel der Kaphalbinsel. Allein der Name! Eine Verheißung ferner, gefährlicher Seefahrt! Bei unserer Recherche mußten wir allerdings erstmal feststellen, dass das Kap der Guten Hoffnung eigentlich gar nichts ist. Es ist weder der südlichste Punkt Afrikas noch der Kaphalbinsel. Der Cape Point ein paar Kilometer weiter liegt südlicher als das Kap der Guten Hoffnung und der südlichste Punkt Afrikas ist das Kap Agulhas gut 200 Kilometer östlich von Kapstadt. So steht dann am Schild, vor dem sich alle Besucher wie die Lemminge fotografieren lassen: der südwestlichste Punkt Afrikas. Also weder der südlichste noch der westlichste. So aussagekräftig wie „Fast Erster“ oder „Größter Stein in 100m Umgebung“. Aber woher kommt dann der Ruf wie Donnerhall?

Der Ruf der Guten Hoffnung

Das Kap der Guten Hoffnung, wurde ursprünglich als „Kap der Stürme“ bezeichnet und ist ein zentraler Mythos der Seefahrt. Es steht für die gefährliche Umrundung Afrikas, den Übergang von Mut zu Wahnsinn und die Hoffnung auf den Seeweg nach Indien – diese führte zur Umbenennung in Kap der Guten Hoffnung. Der bekannteste Mythos ist der des Fliegenden Holländers, vom Geisterkapitän Hendrick van der Decken, der angeblich einen Pakt mit dem Teufel schloss, um das Kap trotz schwerer Stürme zu umsegeln, und nun dazu verdammt ist, dort ewig umherzuirren.

Heutzutage irren nun aber die Besucher auf dem Festland herum. Der Parkplatz in der Nähe des Schildes war bei unserer Ankunft so von Reisebussen und unendlichen Schlangen weißer Miet- und Privatwagen – wir haben den Eindruck, dass in Südafrika ALLE Autos weiß sind – zugeparkt, dass man weit hinten an der Straße stehen bleiben und dann an den Parkreihen nach vorne laufen musste. Dorthin, wo ein riesiger Pulk von Menschen sich schon drängelte, viele davon an ihren Sonnenregenschirmen als weibliche Asiaten zu erkennen. Wer endlich an der Reihe war, sprang hinter das Schild und machte die üblichen Fotogesten. Noch länger dauerte es, wenn Influencerinnen an der Reihe waren. Graziös hoben sie die Arme wie Elfenwesen in die Luft, guckten ätherisch und ihre Ein-Mann-Trosse mussten ihre Schokoladenseite aus allen verfügbaren Winkeln so vereweigen, als seien sie alleine vor Ort.

Doch auch uns Normalsterblichen standen Helfer zur Seite. Unklar, ob Angestellte vom Nationalpark „Cape of The Good Hope“ oder einfach hilfsbereite Privatführerinnen – man drückte freundlich guckenden Afrikanern sein Handy in die Hand und hatte kurz darauf sein Bild, auf dem man ebenfalls hinter dem Schild steht, als sei man allein an diesem Ort. Geheimnisse der Fotokunst.

Etwas griesgrämig machten wir uns wieder auf den Weg zurück. Fast 30 Euro pro Person hatte der Eintritt in diesen Nationalpark gekostet, so richtig haben wir uns nicht die Zeit genommen, ihn auszukosten. Unser Fehler.

Bucht mit Felsen im Vordergrund, grünem Buschwerk und Bergen im Hintergrund unter blauem Himmel und mit tiefblau glitzerndem Meer
Endlich spektakulär: Ausicht von der Misty Cliffs Road

Egal. HerrBert war am Kap der guten Hoffnung und die Reiserin auch. Nun fuhren wir wieder Richtung Kapstadt. Schon der kleine Umweg über die M65 – der Misty Cliffs Road – war mit atemberaubenden Aussichten gesäumt. Von Nordhoek fuhren wir im schönsten nachmittäglichen Sonnenlicht den Chapman’s Peak Drive Richtung Hout Bay. Die Strecke ist neun Kilometer lang und hat über einhundert Kurven. Sie führt bis auf eine Höhe von knapp 600 Metern und gilt als eine der spektakulärsten Küstenstraßen weltweit. Zu Recht. Für 66 Rand, circa 3,50 Euro (2/2026), erlebt man atemberaubende 180-Grad-Ausblicke auf Küstenorte und den Atlantik.

Haus mit Reetdach vor weitem Sandstrand und blauem Meer
Aussicht von der Misty Cliffs Road: glitzerndes Wasser, weite Buchten

Danach fuhren wir an der Rückseite des Tafelberges nach Cape Town zurück. Die Rechnung von HerrBert ging auf: eine wunderschöne Fahrt am Wasser entlang, glitzerndes Meer, weite Buchten, Abendlicht. So wurde es doch noch ein schöner Tag.

Straße führt unter einem großen, überhängenden Felsen mit sichtbaren Gesteinsstrukturen und einem blauen Himmel im Hintergrund
Eine von hundert Kurven des Chapman’s Peak Drive

Der Song des Tages ist heute kein Song, sondern die Ouvertüre aus Richard Wagners „Der Fliegende Holländer“. Auch schon 183 Jahre alt.

Das Aufmacherfoto wurde ausnahmsweise mit KI bearbeitet: Frau Reiserin und HerrBert haben wir entfernt – nur die Schuhe sind noch zu sehen.