Blick von einem Café mit Sonnenschirmen und Flechtstühlen auf einen Strand mit Palmen und Meer im Hintergrund

So langsam bekommen wir ein Gefühl für den Groove in Kapstadt und seiner Bewohnerinnen und Bewohner. Dieser Groove ist energetisch, aber nicht aufgeregt, funky, selbstbewusst und sehr vielfältig. Heute ist Freitag und das Wochenende beginnt. Wir nahmen es heute auch ein bisschen gemütlich und starteten am späten Vormittag zu dem kleinen Vorort namens Bloubergstrand ein paar Minuten Fahrzeit in Richtung Norden.

Song des Tages (mehr dazu unten)

Dort gibt es eine Ansammlung vieler Restaurants, schon vorgestern haben wir dort famos gegessen – italienisch, das hier sehr beliebt zu sein scheint. Heute Morgen sollte es nun ein Frühstückslokal sein, das uns die Vermieterin empfohlen hatte. War aber leider dauerhaft geschlossen. „Café News“ stand nebenan auf den Sonnenschirmen, unter denen die Tische schon gut besetzt waren mit augenscheinlich Einheimischen und Touristen im Verhältnis 3:1.

Blick auf mehrere Sonnenschirme an einem Außenbereich nahe einer Küstenstraße und Meer mit dem Tafelberg im Hintergrund
Über allem thront immer der Tafelberg

Freundlich wurden wir begrüßt von zwei Angestellten in fröhlich geblümten Uniformen, strahlend wiesen sie auf die Treppe nach oben und schon saßen wir – im Seafood-Restaurant, das die obere Etage des Gebäudes belegt. HerrBert sah sein Frühstück in weite Ferne verschwinden. Aber jetzt saßen wir schon mal und so schwenkten wir spontan auf Mittagessen um, einen hochaufgetürmten Burger mit Hühnchen für die Reiserin, ein paar spanisch inspirierte Meeresfrüchte für HerrBert und dazu ein Mangococktail, ohne Gin, wie wir gerade noch richtigstellen konnten, den die Kellnerin wollte bereits Tanqueray anliefern. Das Essen schmeckte, wie bisher immer in Kapstadt, köstlich und war ausgesprochen großzügig portioniert.

Nahaufnahme eines Burgers mit Sesambrötchen, Salat und Sauce, daneben eine Schale mit Reis und Gemüse sowie im Hintergrund ein Holzbrett mit verschiedenen Brotscheiben und Dips
Gilt das noch als Frühstück?

Zum Nachtisch gab es dann endlich den Frühstückscapuccino im Erdgeschoss. Hier hatten sich unter den Sonnenschirmen des Cafés nun immer mehr Einheimische eingefunden. Stylish und entspannt genossen sie Frühstück und zeigten wilde Frisuren, modischen Mut und gute Laune. Wir planten jetzt grob die nächsten Tage. Wichtigster Punkt: Wir bleiben noch zwei Nächte länger in Kapstadt, und morgen machen wir eine Walking Tour durch das geschichtsträchtige Viertel Bo Kaap. Man kann nicht in Südafrika herumreisen, ohne sich mit der Geschichte der Apartheid und Sklaverei auseinanderzusetzen, findet HerrBert, und die Reiserin stimmt zu.

Zuviele Hunde am Pool

Wir beschlossen auch, uns ein neues Quartier zu suchen und nicht in der italienisch angehauchten Villa in dem Gartenvorort zu verlängern, wo wir für die ersten drei Nächte unterkamen. An sich gibt es hier zwar nichts zu meckern. Bloß die vier Hunde, die uns als „freundlich“ vorgestellt wurden, entpuppten sich als zwar nicht bissige, aber irgendwie trotzdem übermäßig präsente Hausbewohner, die bei jedem Schritt, den wir in den Garten machen, etwa um zum sehr schmucken Pool zu kommen, sofort unter wildem Gebell angerannt kommen und äußerst neugierig jede Bewegung verfolgen. Auch die, wie man im Storchenschritt durch den an sich wunderschönen Garten watet, um nicht überall auf Hundehaufen zu treten. Morgen wechseln wir in ein Apartment direkt am Meer.

Rumkurven in Sea Point

Und dann war Zeit zum Cruisen. HerrBert wollte gerne die Küstenstraße näher begutachten, und so fuhren wir nach Süden in den Reichenstadtteil Sea Point. Hier dominieren schicke Apartmenthäuser und eine Uferpromenade, an die die Gischt des Ozeans nur so ranbrettert und Spaziergänger, wenn sie nicht aufpassen, unter eine Meeresdusche stellt.

Wellen spritzen gegen eine Uferpromenade mit Geländer unter klarem Himmel
Gischt in Sea Point

Abhängen in Camps Bay

Die Fahrt ging weiter bis zum Abschnitt der Kloof Road, die im ebenfalls äußerst schicken Stadtteil Camps Bay an der Küste liegt. „Touri-Rumsbums“, unkte HerrBert. Trotzdem schlug er das Steuer ein, als er einen freien Parkplatz an der Promenadenstraße erblickte. Sofort kam eine Einheimische, die mit ein paar Winkbewegungen beim Einparken assistierte, und dann freundlich dankend den Obolus entgegennahm, den die Reiserin ihr aushändigte.

Tatsächlich war hier in strahlendem Nachmittagslicht der Wochenendbeginn schon in vollem Gange – aber nicht nur Touris, sondern mindestens zur Hälfte auch Einheimische ließen es sich hier gutgehen. Wir gönnten uns ein Glas Chardonnay und beobachteten die Szenerie. Besonders eindrücklich war das Gespräch eines jungen Kellners mit zwei ebenso jungen Touristinnen. Woher sie kämen, fragte der Kellner. Brasilien, antworteten die Frauen. Ah, Brasilien, er war begeistert. Wo er herkäme, fragten sie. „Ihr sitzt in meiner Heimatstadt“, sagte er stolz, „hier geboren und aufgewachsen. Aber ich möchte so gerne reisen.“ Brasilien würde ihm bestimmt gefallen, sagte die eine Touristin höflich. Der Kellner stimmte zu. „Aber meinst du, es ist da sicher für mich? Ich meine, komme ich von da wieder lebend nach Hause?“ Darüber musste die Reiserin nachdenken. Die Sorge, die wir als Europäer haben, wenn wir nach Südafrika reisen, haben die Südafrikaner, wenn sie erwägen, nach Brasilien zu fahren. Die Angst vor dem Fremden. Sind wir nicht alle einfach immer und überall viel zu ängstlich und befürchten Schlimmes von allem, was wir nicht kennen?

Strand mit Palmen, Menschen und Sonnenschirmen vor glitzerndem Meer unter klarem Himmel
Palmen in Camps Bay

Das Ass im Ärmel: Handwerksmarkt in Hout Bay

Im Auto zurück, zauberte HerrBert dann noch ein Ass aus dem Ärmel. Jetzt fahren wir nach Hout Bay, ein Vorort weiter nach Süden der Küstenstraße entlang. Dort soll es einen Markt geben, den wir uns angucken können. Lange fahren wir an einer strahlend schönen, sanft gekurvten Küstenstraße entlang am glitzernden Meer und sehen auf der Landseite die Felsformation der zwölf Apostel. „Schau da nicht hin“, meinte HerrBert , „Was sind denn das für Autos“? fragte die Reiserin als vor uns an einem Aussichtspunkt zwei McLarens mit nach oben offenen Türen lärmten. „Einfach nicht beachten“ antwortete HerrBert und natürlich tat die Reiserin so, als ob sie die Angeberautos nicht sähe.

Felsformation am Küstenrand mit Meer und bewaldetem Gebirge im Hintergrund
Die Angeberautos an der Küstenstraße haben wir nicht fotografiert

Hout Bay wirkte auf den ersten Blick wie eine etwas schrundige Hafenanlage. Alle paar Meter versuchten Einheimische entschieden gestikulierend, Autos auf die von ihnen bewachten Parkplätze zu schleusen, aber HerrBert ließ sich davon nicht beeindrucken. Erst ganz am Ende, kurz vor einer alten Hafenhalle, hielt er an, und genau da war der Markt. Innen gab es Live-Musik, Kunsthandwerk, Essen und fröhliche Atmosphäre. Es waren fast nur Weiße da, zum Großteil wohl Touristen. „Na ja“, meinte HerrBert. „Wahrscheinlich würden Einheimische nicht von andere Einheimischen Kunsthandwerk kaufen, das sie auch selbst anfertigen können.“ Womit er natürlich recht hat.

Bunte Drahtskulpturen verschiedener Tiere und Figuren, darunter Haie, Vögel, ein tanzender Mensch und Autos, auf einem Marktstand
Marktstand in Hout Bay

Kurz vor Einbruch der Dunkelheit fuhren wir zurück, diesmal führte uns das Navi nicht an der Küste lang, sondern durch einen hohen, in der Dunkelheit märchenhaft wirkenden Wald namens Cecilia Forest. Sofort fing HerrBert an, „Cecilia“ von Simon and Garfunkel zu brummen und die Reiserin erwog, daraus den Song des Tages zu machen. Aber es kam anders.

„Ma Benz“ von Brigitte machte das Rennen, ein Stück, das wir auf dem Handwerksmarkt in Hout Bay aufgeschnappt hatten. Am T-Shirt Stand lief der Song und irgendwie passte es zur Atmosphäre, der lässigen Stimmung und den coolen Shirts. Nur der Verkäufer fiel aus dem Rahmen. Als HerrBert sich nach einer gefühlt halben Stunde endlich für zwei Shirts entschieden hatte – eins für sich und eins für seinen Freund – gabs bei Nachfrage nur eine viel zu kleine Größe für ihn und bei dem für seinen Freund nur ein einziges Exemplar in Kindergröße. Verkaufstalent sieht anders aus denkt sich HerrBert, aber das ficht den Verkäufer nicht an. Wir sind in Africa, man. HerrBert findet sich wieder an seiner Grenze zum Gewöhnlichen.